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Betriebliches Gesundheitsmanagement als Erfolgsfaktor: Wie die AWO Brandenburg mit „Starke Pflege“ Gesundheit strategisch verankert

Der demografische Wandel und der zunehmende Fachkräftemangel stellen Einrichtungen der Pflege und Sozialwirtschaft vor immer größere Herausforderungen. Gleichzeitig steigen die körperlichen und psychischen Belastungen der Mitarbeitenden deutlich. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) entwickelt sich vor diesem Hintergrund zunehmend zu einem strategischen Erfolgsfaktor – nicht als Zusatzangebot, sondern als Bestandteil moderner Organisationsentwicklung.


Mit dem Projekt „Starke Pflege“ setzt die AWO Brandenburg gemeinsam mit concept+ genau hier an. Seit dem 1. Januar 2026 wird ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement schrittweise in mehreren Einrichtungen eingeführt. Die Projektleitung auf Seiten von concept+ übernimmt Nadine Maurer, die den Implementierungsprozess begleitet und gemeinsam mit den Einrichtungen vor Ort steuert.


Im Interview gibt Herr Tiemo Reimann aus der Geschäftsstelle Potsdam Einblicke in die Entstehung, Ziele und ersten Erfahrungen des Projekts.


Frau Maurer & Herr Reimann
Frau Maurer & Herr Reimann

Entstehung des Projekts: Warum klassische Angebote nicht funktioniert haben

Der Ausgangspunkt lag direkt in der Praxis vor Ort.

Herr Reimann beschreibt die Situation so:

„Der entscheidende Impuls kam aus unserem AWO Seniorenzentrum ‚An der Dosse‘ in Wittstock. Dort wurde bereits mehrfach versucht, eigene Gesundheitsangebote wie Zumba oder Nordic Walking zu etablieren. Diese fanden jedoch überwiegend nach Dienstschluss statt. Gerade nach einem körperlich und emotional anspruchsvollen Arbeitstag fehlten vielen Mitarbeitenden Zeit und Energie für eine regelmäßige Teilnahme.“

Die Konsequenz daraus war ein neuer Ansatz: Gesundheitsangebote müssen in den Arbeitsalltag integriert werden.

„Entscheidend war für uns, dass die Angebote direkt vor Ort und während der Arbeitszeit stattfinden können.“

Erst dieser Perspektivwechsel machte das Projekt nachhaltig möglich.


Förderung als Schlüssel zur Umsetzung

Ein zentraler Faktor für die Ausweitung des Projekts war die finanzielle Unterstützung durch eine Krankenkasse. Dadurch konnte aus einem lokalen Pilotansatz ein umfassendes Programm für mehrere Einrichtungen entwickelt werden.

Herr Reimann fasst das so zusammen:

„Concept+ stellte verschiedene Maßnahmen und Fördermöglichkeiten vor. Die ersten Rückmeldungen waren sehr positiv. Mithilfe der Förderung durch eine Krankenkasse konnte aus dem ursprünglichen Ansatz in Wittstock schließlich ein einheitliches BGM-Programm für die gesamte Gesellschaft entwickelt werden.“

Ziel: Gesundheit als Teil der täglichen Arbeit

Für Herrn Reimann ist klar, dass Gesundheitsförderung nur dann wirkt, wenn sie strukturell verankert ist.

„Die Leistungsfähigkeit unserer Mitarbeitenden ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass wir die uns anvertrauten Menschen dauerhaft gut versorgen können. Deshalb möchten wir Belastungen frühzeitig erkennen und konkrete Möglichkeiten geben, die Gesundheit im Arbeitsalltag zu stärken.“

Das Programm umfasst dabei ein breites Spektrum – von ergonomischen Beratungen über Bewegungsangebote bis hin zu Stressbewältigung und Entspannung.

Besonders wichtig ist auch der Führungsaspekt:

„Dazu gehören Workshops für Führungskräfte zu Kommunikation, Feedback, Konfliktmanagement, Teamentwicklung und gesundem Führen.“
Aktive Pause – AWO Seniorenzentrum „Wiesengrund“, Trebbin
Aktive Pause – AWO Seniorenzentrum „Wiesengrund“, Trebbin

Gesundheitslotsen sichern Nachhaltigkeit

Ein wichtiger Baustein sind ausgebildete Gesundheitslotsinnen und -lotsen, die das Thema in den Einrichtungen dauerhaft verankern.

„Sie sollen die erlernten Routinen in die Einrichtungen tragen, Kolleginnen und Kollegen motivieren und als niedrigschwellige Ansprechpersonen zur Verfügung stehen.“

Damit entsteht eine dauerhafte Struktur:

„So entsteht nicht nur ein zeitlich begrenztes Projekt, sondern eine nachhaltige Gesundheitskultur.“

Erste Erfahrungen: Hohe Akzeptanz im Alltag

Die Rückmeldungen aus den Einrichtungen sind durchweg positiv.

Besonders ein Punkt wird immer wieder genannt:

„Endlich einmal ein Angebot, das während der Arbeitszeit wahrgenommen werden kann.“

Auch die praktischen Angebote stoßen auf großes Interesse:

„Rückenscans, Stressmessungen und ergonomische Beratungen wurden gut angenommen und führen häufig dazu, dass Mitarbeitende miteinander ins Gespräch kommen und sich gegenseitig motivieren.“

Die Angebote sind bewusst kurz und alltagstauglich gestaltet und dauern oft nur etwa 15 Minuten.


BGM als Teil der Unternehmenskultur

Die Erfahrungen haben die Sicht auf Betriebliches Gesundheitsmanagement bei Herrn Reimann geschärft.

„Betriebliches Gesundheitsmanagement darf kein unverbindliches Zusatzangebot sein, das neben dem Arbeitsalltag läuft. Es muss Teil der Arbeitsorganisation und der Führungskultur sein.“

Dabei geht es nicht nur um körperliche Gesundheit:

„Neben Bewegung und Entspannung spielen auch Kommunikation, Feedback, Konfliktmanagement und gesundheitsbewusstes Führungsverhalten eine zentrale Rolle.“

Gerade im Kontext des Fachkräftemangels wird das immer wichtiger:

„Ein glaubwürdiges Gesundheitsmanagement stärkt die Arbeitgeberattraktivität und zeigt, dass Gesundheit im Alltag tatsächlich gelebt wird.“

Empfehlungen für andere Organisationen

Zum Abschluss gibt Herr Reimann klare Hinweise für den Aufbau eines erfolgreichen BGM:

„Wichtig sind eine sorgfältige Bedarfsanalyse und die Nutzung von Fördermöglichkeiten der Krankenkassen. Entscheidend ist ein Gesamtkonzept, das zu den tatsächlichen Belastungen der Mitarbeitenden passt.“

Ebenso entscheidend ist die Umsetzung im Alltag:

„Angebote sollten niedrigschwellig, praxisnah und während der Arbeitszeit stattfinden.“

Und schließlich braucht es interne Strukturen:

„Es braucht Koordinatorinnen und Koordinatoren sowie Gesundheitslotsinnen und Gesundheitslotsen, die das Programm dauerhaft begleiten.“

Sein Fazit ist eindeutig:

„Ein Gesundheitstag allein verändert keine Arbeitskultur. Erfolgreiches Betriebliches Gesundheitsmanagement braucht Kontinuität, Verbindlichkeit und die Unterstützung der Führungskräfte.“


Fazit

Das Projekt „Starke Pflege“ zeigt, wie Betriebliches Gesundheitsmanagement nachhaltig in Organisationen verankert werden kann. Durch die Zusammenarbeit zwischen AWO Brandenburg, concept+ und der Projektleitung durch Nadine Maurer entsteht ein strukturiertes und praxisnahes Gesundheitskonzept.


Die Förderung durch eine Krankenkasse war dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor, um aus einem einzelnen Ansatz ein umfassendes, organisationsweites Programm zu entwickeln.


Die Aussagen von Herrn Tiemo Reimann machen deutlich: Erfolgreiches BGM ist kein Zusatzangebot, sondern Teil moderner Organisations- und Führungskultur – und damit ein zentraler Baustein für Zukunftsfähigkeit in der Pflege.

 
 
 

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